Neuanfang

Von Jörg List am 21. Dezember 2011

Wie das so ist – nachdem sich Nachwuchs eingestellt hatte, wurde es um die modellbauerischen Aktivitäten zunächst sehr ruhig. Dieser Zustand wurde dadurch begünstigt, dass der bis dato als Modellbau-Werkstatt genutzte Teil des Korridors nun als Garderobe dienen musste. Damit einher ging der Abriss meiner kleinen fest aufgebauten H0-Anlage. Ein modellbahnerisches Vakuum drohte.

Mit diesem Zustand konnte ich mich nicht zufrieden geben. Irgendwie musste es möglich sein, Züge fahren zu lassen, auch wenn in der Wohnung kein Platz mehr für eine stationäre Anlage ist. Die erste Erkenntnis: Es muss alles kleiner werden! Also wird der Maßstab gewechselt. Sodann fiel mir ein Bildband über die Eisenbahnen der USA in den 1990er Jahren wieder in die Hände. Mich beeindruckten die langen Züge und die Mehrfachbespannungen mit Lokomotiven unterschiedlicher Bahngesellschaften.

Ich begann, mich für dieses Thema zu interessieren, beschaffte weitere Literatur und nahm Fahrzeugmodelle im Maßstab 1:160 in Augenschein. Schnell war klar, dass die hervorragend detaillierten Diesellokmodelle bestechende Laufeingenschaften besitzen und preislich deutlich günstiger als Modelle nach deutschen Vorbildern hiesiger Fabrikate sind. Die Fahrzeuge besitzen fast ausnahmslos niedrigere Spurkränze nach NMRA-Norm. Ebenfalls von Vorteil für das Erscheinungsbild ist die Verwendung von vorbildnahen Kupplungsköpfen. Weil diese Kupplungen sowohl Zug- als auch Druckkräfte übertragen, kann auf Puffer verzichtet werden, was bedeutet, dass die Modelle keine Kurzkupplungskinematiken etc. benötigen. Ebenfalls günstig für das Budget ist – je nach Vorbildwahl – die spartanische Ausstattung mit Sicherungstechnik.

Wenn schon ein Neuanfang in Bezug auf Maßstab und Vorbildwahl absehbar war, wollte ich auch einen Neubeginn in technischer Hinsicht wagen. Das heißt, der lange gehegte Wunsch nach einer mittels PC gesteuerten Anlage sollte Realität werden.

Da die Anlage sowieso transportabel sein musste, weil sie im Keller gelagert werden sollte, war sie so zu bauen, dass sie mit dem Pkw zu Ausstellungen transportiert werden kann. Trotzdem sollte die ganze Familie auch noch Platz im Auto haben!

All dies mündete in eine Anlage, die von vornherein experimetellen Charakter hatte. Dargestellt wird ein Streckenabschnitt in Kalifornien mit einer angedeuteten Ausweichstelle (Siding). Insgesamt ließen sich 3 Züge mit einer maximalen Länge von 2 Metern einsetzen.

Überblick über die US-Anlage während des Tages der offenen Tür im Alstom-Werk Stendal am 09.05.2009. Die Stromversorgung ist in dem silbernen Koffer untergebracht. Von dort führen alle Versorgungsleitungen inkl. Loconet gebündelt zur Anlage. Die Anlage lässt sich zusammenklappen und so bequem im Pkw transportieren. Links im Bild Jan Freckmann, rechts Jörg List.

Die Anlage war stets dicht umlagert. Wegen der vergleichsweise geringen Höhe hatten auch die Kinder einen guten Überblick über das Geschehen. Und mit den Kindern kommen die Eltern…

Bei der ersten Ausstellung im Alstom-Werk Stendal hat sich gezeigt, dass das Konzept voll aufgeht. Weil sich auf der Anlage immer ein (langer) Zug mit mehreren Lokomotiven bewegte, blieben die Besucher stehen. Da die Anlage auf Malerböcken ruht, können auch Kinder bequem das Geschehen mitverfolgen. Dank der automatischen PC-Steuerung hielt sich der Bedienungsaufwand in Grenzen, so dass ich mich dem Publikum widmen und viele Fragen beantworten konnte.

Ansicht der Anlage in Vorbereitung auf die Ausstellung anläßlich des Weihnachtsmarktes in Kläden 2009. Die Vorderseite kann hochgeklappt werden, so dass sich eine Kastenform ergibt.

Lange Güterzüge mit Mehrfachtraktion fesselten mich und die Besucher.

Güterzug der Southern Pacific.

Trotz des überzeugenden Konzeptes zeigten sich einige Verbesserungsmöglichkeiten:

  • Durch Verwendung von Tischlerplatten war die Konstruktion relativ schwer ausgefallen.
  • Der temporäre Aufbau der Anlage bedingte einen relativ großen Aufwand für das Aufgleisen der zahlreichen Fahrzeuge. Insbesondere die mehrteiligen Containerwagen verlangten starke Nerven.

Eine neue Anlage muss also deutlich leichter werden. Wenn schon durchschnittliche Züge verkehren, müssen andere Hingucker her!

Die Planungen der CCRR nahmen ihren Anfang…

Kategorien: 1 Neuanfang, Konzept
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